9. Wieslocher Therapietage
 

Beziehungsweisen -
Wandel und Wandlungen in sozialen Systemen

27. bis 29. Sptember 2018

 
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Programm
Workshops
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Donnerstag, 27. September 2018
14.00 - 17.30 Uhr, Workshops (4 UE)

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Michael Bachg
Den Lebensentwurf ent-wickeln - Einführung in Pesso Boyden System Psychomotor (PBSP)

In diesem praxisorientierten Workshop erhalten Sie eine theoretische und praktische Einführung in die Pesso-Arbeit. Dazu gehört eine auf die Mimik und Stimme des Klienten fokussierende Gesprächsführung. Weiterhin geht es um das Ziel einer Rekonsolidierung belastender oder negativ prägender Erinnerungen, da solche Erinnerungen Repräsentationen von Personen oder Ereignissen wie ein Filter verzerren können.
Dies geschieht durch die Ausgestaltung positiver Beziehungserfahrungen mit erfundenen, idealen Bezugspersonen, die im Kontext einer hypothetischen Vergangenheit im Sinne der Erwartungen des Klienten gehandelt hätten. Diese positiven Erfahrungen werden ähnlich wie in einer Aufstellung räumlich gestaltet und mit dramaturgischen Mitteln so in Szene gesetzt, dass für den Klienten eine ganzheitliche Erfahrung möglich wird, die neben den mentalen Prozessen auch den Körper als Ort heilender Erfahrungen mit einbezieht.
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Guni Baxa
Beschäftigung mit den Ahnen: Ist das veraltet?

Viele neuere Forschungsansätze zeigen den Einfluss mehrgenerational wirkender Themen auf unser Leben. Sie untersuchen zum Beispiel die Weitergabe von (nicht bewältigten) Schuld-, Scham- oder Opfergefühlen an nachfolgende Generationen. Beispiele für solche Weitergabeprozesse lassen sich besonders im Umgang mit Kriegs- und Traumafolgen zeigen, aber auch Familienregeln, Tabus und Geheimnisse können spätere Generationen beeinflussen. Ebenso kann der Blick auf die Vorfahren unerwartete Ressourcen und Kräfte freilegen.
In diesem Seminar beschäftigen wir uns z.B. mit folgenden Fragen:
Welche Rolle spielen Vorfahren in meinem Leben? Wie bewege ich mich in dem Lebensstrom, der von ihnen zu mir fließt? Spüre ich da Schweres und Unerledigtes oder Ruhe, Wohlwollen, Anerkennung?
Stärkt mich der Blick zurück und gibt mir Kraft von "hinten" oder fühle ich mich gebunden und in Aufgaben, Aufträge, Verpflichtungen hineingezogen?
Was gilt es anzunehmen? Was gilt es zu verabschieden?
Es besteht die Möglichkeit, über 2-3 rituelle Strukturen Einflüsse unserer Vorfahren auf unser Leben zu erkunden, sich darüber auszutauschen und die Einbeziehung dieser Themen in unseren Arbeitsalltag zu diskutieren.

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Udo Brosette
Autorität durch Beziehung - elterliche und professionelle Präsenz in der Beziehung zu Kindern und Jugendlichen

Der Workshop vermittelt theoretische und praktische Grundlagen zu den Ideen der Neuen Autorität oder Autorität durch Beziehung, die von Haim Omer und Arist von Schlippe konzipiert und von vielen Fachleuten systemischer Arbeit und Beratung weiterentwickelt und in der Praxis erprobt wurden. Dabei geht es um die hilfreiche Entwicklung einer unmittelbaren Beziehungsgestaltung zu Kindern und Jugendlichen im Kontext von Familie und professionellem Handeln (Schule, Erziehungshilfe), wenn es zu unerwünschtem oder gar gewalttätigem Verhalten kommt.
Strategien des Konzeptes werden vorgestellt und anhand von Fallvignetten erläutert.
Die Methoden sind: Vortrag, Falldarstellung aus der praktischen Arbeit, Übungen und Diskussion.
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Angelika Eck
Seitensprung - was nun? Paartherapie und das Dilemma der Monogamie

Seitensprung, friends with benefits, Nebenbeziehung, Polyamorie, Bordellbesuch, Affaire, Chat – während sich die meisten Menschen wünschen, auf lange Sicht in sexueller Treue mit einem Partner zu leben, existiert zugleich eine Fülle verschiedener sexueller Außenbeziehungen oder –aktivitäten. Gesellschaftliche Einflüsse, individuelle Bedeutungen und existenzielle Fragen und Widersprüche spiegeln sich in diesem Thema wider. Der Workshop führt Sie undogmatisch ins Herz des Dilemmas der Monogamie. Er gibt Ihnen an Hand von empirischen Daten, Fallbeispielen, Fragen und Beispielen aus der paartherapeutischen Praxis Gelegenheit, Ihren Umgang mit diesem Thema zu überprüfen und Haltungen für Ihre therapeutische Arbeit hinzuzugewinnen.
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Jan Gramm
Was Würde stärkt und was Würde verletzt: das Konzept der würdezentrierten Therapie und Behandlung

Die Würdezentrierte Therapie (Dignity Therapy) kommt aus der Palliativversorgung und wurde entwickelt, um das Würdegefühl von Patienten mit Wunsch nach aktiver Sterbehilfe zu stärken. Dafür wurde ein Frageleitfaden entwickelt, um ressourcenorientiert biografische Themen und Wünsche an die Angehörigen anzusprechen. Das transkribierte und editierte Gespräch wird dem Patienten in Form eines Dokuments überreicht, der es dann seinen Angehörigen hinterlassen kann. Im Workshop wird die empirisch gut fundierte Methode vorgestellt und die Wirkungsweise der Fragen in praktischen Übungen erfahrbar gemacht. Die Anwendung außerhalb des Palliativbereichs wird diskutiert. Die Methoden sind: Vortrag, Übungen, Austausch
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Klaus Schenck
"Wishbone" - ein Werkzeug für Wandel in Beratung und Coaching, u.a. am Beispiel "Übergang in die 3. Lebensphase"

"Wishbone" stellt eine Art Landkarte zur Verfügung, die wesentliche Bestandteile eines Übergangsprozesses auf einen Blick zusammenfasst. Dabei kann es sich um anstehende Wandlungen im privaten oder beruflichen Kontext handeln. Die Methode vereint lösungsfokussierte und systemische Elemente und hilft zu prüfen, ob Zukunftsvision, Randbedingungen und Ressourcen so zueinander passen, dass sich allen Hindernissen zum Trotz ein guter Weg von der Ausgangssituation zum Ziel entwickeln lässt.
Die Teilnehmenden erhalten eine Einführung ins Konzept und haben die Möglichkeit, an einem eigenen oder Supervisionsbeispiel die Anwendung des Wishbonekonzepts praktisch zu erproben und sich über die Anwendbarkeit im eigenen beruflichen Kontext auszutauschen.
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Martin Schulmeister
Vergebung in Beratung und Therapie

Vergebungsthemen können im Rahmen von Therapien und Beratungen eine bedeutende Rolle spielen, denn oft tragen wir Bitterkeit, Grübeln und Groll, die sogenannte Nicht-Vergebungslast, aus vergangenen Beziehungen lange mit uns herum und belasten dadurch unsere Psyche und unsere Gesundheit. Empirische Befunde sprechen für die Integration eines Vergebungsmoduls in verschiedenste Therapien.
In diesem Workshop werden die Schritte einer möglichen Vergebungsarbeit einführend vorgestellt und erläutert. Dabei werden psychodynamische, systemische und spirituelle Konzepte einbezogen. Die Teilnehmenden haben Gelegenheit, sich auf abstrakter Ebene mit der Vergebungsarbeit vertraut zu machen und sich darüber auszutauschen. Dabei werden der Unterschied zwischen Vergebung (intrapsychisch) und Versöhnung (interpersonal), aber auch Voraussetzungen und Kontraindikationen für Vergebung diskutiert. Sie haben außerdem Gelegenheit, für sich selbst auszuloten, ob und in welchen Bereichen ein solcher Prozess für das eigene Leben sinnvoll ist.
Die Methoden sind: Vortrag, Übungen, Austausch

Freitag, den 28. September 2018
14.30 - 18.00 Uhr, Workshops (4 UE)

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Michael Bachg
Wenn Kinder, Jugendliche und ihre Eltern sich gesehen fühlen:
Einführung in "Feeling-Seen"

"Feeling-seen" zielt darauf ab, die Beziehungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen zu erhöhen und ihre Verbindung zu anderen und zu sich selbst zu stärken. Dies geschieht in Anwesenheit der Eltern. Dabei geht es zunächst um die Erfüllung häufig bislang unentdeckter Bindungserwartungen des Kindes/Jugendlichen.
Dazu werden Interaktionserfahrungen mit imaginierten idealen Bezugspersonen dramaturgisch so gestaltet, dass Emotionsregulation eintritt. Dieses mitzuerleben berührt emotional häufig auch die anwesenden Eltern. Sie können so in ihrem Empathievermögen gefördert und zu einer einbettenden Kultur für die Entwicklung ihres Kindes angeregt werden.
Die Teilnehmenden erhalten eine Einführung in die Methode sowie Impulse für bindungsorientierte Interventionen bei Familiengesprächen.
Die Methoden sind: Vortrag, Video-Demonstrationen, Übungen, Austausch
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Annette Güldenring
Was ich schon immer fragen wollte: Transsexualität - Geschlechtsdysphorie - Geschlechtsinkongruenz

Die traditionelle, in erster Linie biologisch begründete Sichtweise einer Zweigeschlechtlichkeit des Menschen ist im kulturellen Wandel der letzten Jahre ins Wanken geraten.
Moderne Trans*Gesundheitsversorgungskonzepte wenden sich von der ehemaligen Psychopathologisierung und den Störungskonzepten von individuellen geschlechtlichen Identitäten ab. Die Medizin wird mit ihrer Position, fremdbestimmende Instanz in der Diagnostik und Indizierung geschlechtsangleichender Behandlungen zu sein, immer mehr in Frage gestellt.
Gleichzeitig gewinnen Selbsthilfe, psychosoziale Beratungen, Pädagogik und gesellschaftliche Integration als noch weiter zu entwickelnde Angebote in der Gesundheitsförderung für Trans*Personen immer mehr an Bedeutung.
Damit ist an die therapeutischen Disziplinen der Auftrag gerichtet, sich mit dem Thema Geschlecht, seinen Variationen und den damit verbundenen Fragen der Behandlungsbedürftigkeit auseinanderzusetzen. Therapeutische und beraterische Arbeit mit geschlechtlich nonkonformen Menschen benötigt als Basis ein differenziertes Wissen in die speziellen Probleme und Entwicklungsphasen und eine Reflexion des mit geschlechtlichem Anderssein verbundenen "Krankheitswert".
Der Workshop möchte auf die ärztlich-psychologische und beraterische Arbeit mit Trans* Menschen vorbereiten mit folgenden Themen:
  • Die zentralen Probleme des Lebensalltages transgeschlechtlicher Menschen im Konflikt mit zweigeschlechtlichen Ordnungssystemen
  • Entwicklungen und Konflikte transgeschlechtlicher Menschen in ihren Lebensphasen
  • Inhalte und Stellenwert der psychiatrisch-psychotherapeutischen/beraterischen Begleitung
  • Kenntnis der somatischen Behandlungstechniken
  • Indikationsstellung für somatomedizinische Maßnahmen
  • Die Kooperation der therapeutischen Disziplinen im interdisziplinären Setting

Nach einem Inputreferat wird zu einer regen Diskussion eingeladen, eigene Erfahrungen aus Behandlungen sind sehr gewünscht.

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Ulrike Kadar und Thomas Wagner
Tango sistemico - beegte und bewegende Beziehungsweisen

Ob tanzbegeistert oder tänzerisch unerfahren, ob allein, zu zweit oder in der Gruppe ¬ sobald wir uns bewegen, fühlen wir uns lebendig. Durch die Bewegung gelangen wir spielerisch in individuelle, körperliche Ausdrucksformen und finden kreative Wege, mit uns selbst sowie mit anderen umzugehen. In unserem Workshop verbinden wir vertraute Alltagsbewegungen mit Grundelementen aus dem Tango Argentino. Wir erforschen, ob, und wenn ja, wie weit sich dieser Tanzstil über lässige Wohlfühlbewegungen erlernen lässt, wir reflektieren unsere frischen Erfahrungen und bekommen Gelegenheit, neue Beziehungsmuster auszuprobieren.
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Annelie Keil und Jan Gramm
Wenn am Ende das Leben um Hilfe ruft. (Pflegende) Angehörige zwischen Hingabe, Pflichtgefühl und Verzweiflung

Mit diesem Workshop wagen wir ein Experiment: Annelie Keil und Jan Gramm treffen sich hier zum ersten Mal. Annelie Keil (geb. 1939), ehemalige Dekanin der Universität Bremen, kennt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen – und als Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin hat sie sich besonders der Frage gewidmet, in welcher Beziehung Gesundheit und Krankheit zu Biografie und Lebenswelt stehen. Jan Gramm (geb. 1966), Diplom-Psychologe mit Weiterbildungen in Systemischer Beratung (DGSF), spiritueller Sterbebegleitung, Systemischer Supervision, Coaching und Organisationsberatung (DGSF), arbeitet seit 11 Jahren im Palliativbereich. Beide werden aus ihren jeweiligen professionellen, altersbedingten und biografischen Perspektiven einen kurzen Impulsvortrag zum Thema halten, um sich dann miteinander und mit den Teilnehmenden auszutauschen.
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Erika Lützner-Lay
Der Körper als wissendes Navi in Beratung und Psychotherapie

Mit einer Haltung energetischer Präsenz in der beratenden und psychotherapeutischen Kontaktgestaltung erreichen wir relativ schnell und wirkmächtig die oft noch unbewussten, tieferen Wahrheiten, die immer schon da sind. Der Weg geht vom "drüber reden" zum Erleben. Der Schlüssel im Körperwissen eröffnet in Konflikten und Krisen authentische Antworten und das Potenzial zu noch nicht gelebten Möglichkeiten.
Wie das in achtsamer Begleitung geht, vermittelt der Workshop in kleinen Falldemonstrationen, selbsterfahrungsbezogenen Übungen und Rollenspielen sowie zusammenfassenden Theorieinputs.
Es sind alle willkommen, die in ihrer Arbeit mit Menschen Wert legen auf einen unmittelbaren und herzöffnenden Kontakt: sei dies in Therapie oder Beratung, medizinischer Behandlung, Pflege, im Coaching oder als Führungskraft.
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Kirsten Nazarciewicz
"Wo kommen Sie denn her?" - oder was heißt: Interkulturelle Beziehungen gestalten?

Der gelingende kulturübergreifende Beziehungsaufbau ist das Zentrum interkultureller bzw. kulturreflexiver Kompetenz. Ob in Teams und Organisationen oder in beratender und therapeutischer Begleitung, der Aufbau von Vertrauen und die kultursensible Beziehungsgestaltung sind die Basis der gemeinsamen Arbeit. Der Workshop behandelt, worauf es im Kontakt ankommt und warum die Frage nach der Herkunft manchmal heikel sein kann. Er vermittelt theoretische Grundlagen, erläutert Hintergründe für unterschiedliche Verhaltensweisen und gibt praktische Tipps für den Alltag. Dabei werden die Interessen und Beispiele der Teilnehmenden aufgegriffen.

 

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